Tau Besäuk bi denn „Zeddelmann“ Richard Wossidlo

Tau Besäuk bi denn „Zeddelmann“ Richard Wossidlo
(Text und Fotos: K. Studier)

Eine Zettelsammlung mit fast zwei Millionen Belegen, etwa 30.000 Kategorien, über 1.000 Beiträger – dies sind Zahlen, welche die Forschungstätigkeit Richard Wossidlos umreißen. Der Begründer der Volkskunde Mecklenburgs lebte von 1859 bis 1939 und trug im Laufe seines Lebens akribisch alles Mögliche zusammen, was zum Alltagsleben der Mecklenburger gehörte: z. B. Bräuche, Volkserzählungen, Sprichwörter, Volkslieder und -tänze, Kinderspiele, Flurnamen oder auch Gegenstände. Dazu bereiste der Feldforscher zum einen selbst die mecklenburgischen Orte, zum anderen baute er ein beeindruckend großes Netzwerk an Helfern auf. Natürlich erhielt Wossidlo die Informationen häufig in der im 19. Jahrhundert insbesondere up’n Dörp noch verbreiteten Regionalsprache: up Platt. So entstand eine bedeutende volkskundliche Sammlung, die das Wissen über die regionale Kultur und zugleich die niederdeutsche Sprache bewahrt.

Um einen Einblick in das Leben und Schaffen dieses Mannes zu erhalten, machten sich die Niederdeutsch-Profilklassen 9, 10 und 11 in Begleitung von Frau Benz und Frau Studier am 23. April 2026 auf den Weg nach Walkendorf, wo Richard Wossidlo getauft wurde. Dort war im vergangenen Jahr nach einer Modernisierung die Neueröffnung des Wossidlo-Museums gefeiert worden.

Henrik Jager, der Bürgermeister der Gemeinde Walkendorf, nahm uns freundlich in Empfang und gab uns eine kurze Einführung in Wossidlos Arbeit sowie das Museum. Im Anschluss konnten die Schülerinnen und Schüler dieses selbst erkunden. Die interaktive Ausstellung zeigte abwechslungsreich die verschiedenen Bereiche, mit denen der Volkskundler sich befasst hatte, sowie die Stationen seines Lebens. Von der Decke „bammelten“ (ndt.: „hingen“) Stichwörter aus dem niederdeutschen Wörterbuch von Wossidlo und Teuchert. Nachbildungen zeigten Zettelkästen und die einzelnen Zettel, auf denen Wossidlo seine Notizen festhielt. Wenn er gerade kein Stück Papier parat hatte, nutzte er teilweise seine Manschetten zum Notieren. Was Manschetten sind? Auch diese Frage konnte im Wossidlo-Museum geklärt werden. Ein besonders beliebtes Ausstellungsstück war ein altes Radio, aus dem die Melodien von Volkstanzliedern aus dem 19. Jahrhundert erklangen. Die Ergebnisse der Auseinandersetzung mit der Ausstellung wurden im Anschluss nebenan in der „Alten Ausspanne“, einem Café in einem traditionellen reetgedeckten Fachwerkhaus, ausgewertet. In kurzen niederdeutschen Vorträgen präsentierten die Jugendlichen, was sie über den „Volksprofessor“ Richard Wossidlo, die volkskundliche Feldforschung und die Bewahrung regionaler Kulturgüter gelernt hatten.

Wir danken dem „Alte Ausspanne & Wossidlo Museum e.V.“ für die Kooperation und die Möglichkeit, das Museum zu besuchen, und dem Ministerium für Bildung und Kindertagesförderung des Landes Mecklenburg-Vorpommern für die Bereitschaft, die Kosten für diese Exkursion zu tragen.

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