Jazz und Rock in der Aula – Predigersöhne und ein Lehrer im Offbeat
Ja, das ist Schule. Nein, das klingt nicht danach. → Das Programm
Jazz and Rock in der Aula – Notizen eines leicht überforderten Sprachlehrers
Text und Fotos: A. Trunk
Wenn man als Lehrer plötzlich hört:
„The only one who could ever teach me
was the son of a preacher man …“
ist man für einen kurzen Moment verunsichert.
Für einen Augenblick kommt dann der Gedanke auf, ob jetzt nicht genau der richtige Moment wäre, der Stille Raum zu geben – ganz im Geiste von Enjoy the Silence – wünscht sich dann aber sofort, dass es bitte keine Veranstaltung ohne Schokolade wird. Prioritäten sind wichtig.
Spätestens aber, wenn Oskar und Oskar aus der 11. Klasse am Flügel vierhändig Plätze tauschen – mit einer Akrobatik, die jedem Sportunterricht Ehre gemacht hätte – und dabei eine Blue Bossa erklingen lassen, ist klar: Rückzug ist keine Option.
Wenn Lotta und Til das Publikum nach La La Land entführen, Oskar aus der 5. Klasse mit dem Akkordeon den Good Old Boogie Woogie auspackt und die Aula kollektiv mitwippt, dann ist man nicht mehr verunsichert – dann ist man mittendrin.
Wenn die Bläserensembles der Klassen 5 und 6 die Star-Wars-Themen intonieren, das Saxophonquartett diese galaktischen Klänge gerne aufnimmt und das auf Trio-Größe geschrumpfte Klarinettenquartett ganz souverän Love Me Tender präsentiert, dann weiß man:
Das hier ist diese einzigartige Stimmung, die ich jedes Jahr im Januar erlebe – und die man nicht planen kann.
Zum Glück gab es am Ende noch die Zugabe "Oye Cómo Va".
So konnte ich endlich wieder meiner eigentlichen Sprachlehrer-Berufung nachgehen und darüber grübeln, ob das nun besser mit „Hey, wie geht’s?“ oder „Hör mal, wie es läuft“ zu übersetzen ist.
Diese Frage verschiebe ich allerdings auf einen anderen Tag.
(Heute hat der Abend noch zu viel Swing, um Übersetzungen ernst zu nehmen.)
Einen Tag, an dem der Jazz fehlt, der Rock schweigt – und die Aula wieder einfach nur eine Aula ist.
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